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· 3 Min. · Rootivo Redaktion

Tomaten köpfen im August: So werden die Früchte noch reif

Deine Tomate wächst immer weiter und setzt neue Blüten – während unten die Früchte grün hängen bleiben. Mitte bis Ende August entscheidest du mit einem Schnitt, was noch reif wird.

Ende August läuft die Uhr. Was jetzt noch als Blüte ansetzt, schafft es in unseren Breiten nicht mehr bis zur reifen Frucht – die Pflanze steckt ihre Kraft aber trotzdem hinein. Mit einem einzigen Schnitt lenkst du sie dorthin, wo sie sich lohnt.

Der Fehler: die Pflanze macht einfach weiter

Eine Stabtomate wächst, solange man sie lässt. Im August schiebt sie fröhlich neue Triebspitzen, neue Blütenstände, neue Miniansätze – und du freust dich erst mal. Das Problem: Von der Blüte bis zur reifen Frucht vergehen bei uns je nach Sorte rund sechs bis zehn Wochen, Cocktailtomaten schneller als große Fleischsorten. Was Ende August aufblüht, wäre also frühestens Mitte bis Ende Oktober so weit. Bis dahin sind die Nächte kühl, das Licht ist schwach, und Fäulnisflecken sind meist schneller da als die Farbe.

Die Kraft ist damit nicht weg – sie ist nur am falschen Ort. Statt in die Früchte, die schon hängen, geht sie in Triebe, die nichts mehr liefern.

Köpfen: ein Schnitt über dem letzten Fruchtstand

Köpfen heißt, du kappst die Haupttriebspitze. Zähl von unten die Fruchtstände, die du noch reif bekommen willst – meist sind das vier bis sechs –, und schneide zwei Blätter über dem obersten davon ab. Die zwei Blätter bleiben stehen, weil sie genau diesen Fruchtstand mitversorgen und ihn vor der prallen Mittagssonne schützen.

Nimm eine saubere, scharfe Schere und schneide an einem trockenen Vormittag. Die Wunde trocknet dann bis zum Abend ab, und Pilzsporen haben es schwerer. Bei Busch- und Balkontomaten entfällt das Köpfen meist – sie beenden ihr Längenwachstum von selbst.

Neue Blüten wegnehmen – ja, wirklich alle

Das fällt schwer, ist aber die halbe Miete. Jeder Blütenstand, den du jetzt stehen lässt, zieht Zucker und Wasser aus dem System. Knips ihn mit den Fingern ab, solange er noch weich ist. Genauso die murmelgroßen Ansätze, die offensichtlich zu spät dran sind.

An den Geiztrieben in den Blattachseln bleibst du weiter dran: einmal pro Woche durchgehen und alles ausbrechen, was länger als ein Fingerglied ist.

Untere Blätter ausdünnen, aber nicht kahl rasieren

Alles, was gelb ist, Flecken hat oder auf der Erde aufliegt, kommt weg – das ist die Eintrittspforte für die Kraut- und Braunfäule. Bis knapp unter den untersten Fruchtstand darfst du beherzt aufräumen, darüber bleibt das Laub stehen.

Eine kahl geschnittene Pflanze reift nämlich nicht schneller. Die Farbe kommt von der Wärme, der Zucker vom Blatt. Wer zu viel wegschneidet, erntet blasse, wässrige Tomaten und riskiert Sonnenbrand auf den Schultern der Früchte.

Gleichmäßig gießen, sparsamer düngen

Jetzt geht es um Geschmack statt Masse. Gieß lieber seltener und dafür durchdringend, immer in den Wurzelbereich rund um die Pflanze und nicht übers Laub – direkt an den Stängel gegossen begünstigst du nur Fäulnis. Große Schwankungen zwischen staubtrocken und klatschnass sind der Hauptgrund für aufgeplatzte Früchte.

Stickstoffbetonte Dünger stellst du ab Mitte August ein – sie schieben Blattmasse, die du gerade nicht mehr brauchst. Eine letzte kaliumbetonte Gabe darf sein, danach reicht Wasser.

Und die grünen Früchte am Ende der Saison?

Wenn im Oktober die ersten kühlen Nächte kommen, erntest du alles ab, was schon leicht aufhellt oder eine hellgrüne Schulter zeigt. Bei Zimmertemperatur in einer Schale neben einem reifen Apfel reifen diese Früchte in ein bis zwei Wochen nach – der Apfel gibt Ethylen ab und schiebt den Prozess an. Luftig und nicht zu hell lagern, auf keinen Fall im Kühlschrank.

Wichtig: Komplett harte, unreife grüne Tomaten enthalten Solanin, und das baut sich beim Kochen oder Einkochen nicht ab. Roh gehören sie gar nicht auf den Teller. Auch verarbeitet, etwa in einem Chutney, sollten sie nur einen kleinen Anteil ausmachen – am sichersten ist es, sie einfach nachreifen zu lassen.

Was du dir für nächstes Jahr merken solltest

Der richtige Zeitpunkt zum Köpfen liegt rund acht bis zehn Wochen vor dem ersten Frost an deinem Standort – im milden Weinbauklima später als im Alpenvorland. Notier dir heute, wie viele Fruchtstände deine Sorte tatsächlich reif bekommen hat, und wie weit oben du geschnitten hast.

In Rootivo hältst du solche Beobachtungen im Garten-Tagebuch fest, direkt am Beet. Nächstes Jahr weißt du dann ziemlich genau, wann bei dir die Schere fällig ist.

Im Lexikon: Tomate

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