Aus einem Horst werden drei: Kräuter jetzt teilen
Minze, Beinwell und Schnittlauch vermehren sich im September fast von selbst – du musst sie nur aufteilen. Kostet fünf Minuten pro Pflanze und spart dir im Frühjahr den Gang zur Gärtnerei.
Ein Kräuterhorst, der seit Jahren am selben Platz steht, wird irgendwann in der Mitte kahl und treibt nur noch außen frisch aus. Das ist kein Krankheitszeichen, sondern eine Einladung: Die Pflanze möchte geteilt werden. Der September ist dafür einer der besten Termine im ganzen Jahr.
Warum gerade jetzt geteilt wird
Der Boden ist nach dem Sommer noch warm, die Luft aber schon deutlich kühler. Genau diese Kombination mögen Wurzeln: Sie wachsen weiter, während oben kaum noch Blattmasse versorgt werden muss. Frisch geteilte Stücke wurzeln dadurch schneller ein als im Frühjahr, wo die Pflanze gleichzeitig austreiben will.
Rechne mit vier bis sechs Wochen bis zum ersten ernsthaften Frost. In den meisten Lagen in Österreich, Deutschland und der Schweiz reicht ein Termin bis Anfang Oktober locker aus. In rauen Höhenlagen bist du mit Mitte September auf der sicheren Seite.
Diese drei kannst du sofort teilen
Pfefferminze ist der einfachste Einstieg. Sie bildet unterirdische Ausläufer, und fast jedes Stück mit einem Trieb wächst wieder an. Im Lexikon steht September und Oktober ausdrücklich als Pflanzzeit.
Beinwell lässt sich im Herbst gut teilen und ist danach schnell wieder kräftig. Wichtig zur Einordnung: Beinwell ist kein Küchenkraut, sondern eine reine Mulch- und Düngepflanze – er enthält Stoffe, die nicht in den Salat gehören. Seine kaliumreichen Blätter sind dafür ein hervorragendes Mulchmaterial für Tomaten und Kartoffeln – ein Grund mehr, gleich zwei Pflanzen daraus zu machen.
Schnittlauch ist der Klassiker. Der Horst wird nach drei, vier Jahren innen dünn und außen wulstig. Ausgraben, in faustgroße Ballen zerlegen, neu setzen – fertig. Im Lexikon ist als Pflanzzeit April bis Juni hinterlegt: Wenn dir der Herbst zu knapp erscheint, hebst du die Teilung einfach aufs Frühjahr, das funktioniert genauso gut.
Diese lässt du besser stehen
Salbei, Thymian, Rosmarin und Lavendel sind Halbsträucher. Sie bilden keinen teilbaren Wurzelhorst, sondern verholzen von unten nach oben. Wer sie auseinanderreißt, hat am Ende zwei halbtote Pflanzen. Vermehre sie stattdessen über Stecklinge oder Absenker, am besten im Frühsommer.
Oregano ist der Grenzfall dazwischen: Er verholzt zwar ebenfalls, kriecht aber mit flachen Ausläufern über die Fläche. Ältere Polster lassen sich deshalb sehr wohl abstechen und teilen – nimm dafür die jungen Randbereiche, nicht das verholzte Zentrum.
Estragon teilst du besser im Frühjahr – frisch geteilt geht er weniger gern in den Winter. Und Rhabarber kommt erst ab Oktober dran, wenn das Laub eingezogen ist und die Pflanze wirklich in der Ruhephase steckt.
So teilst du einen Horst
Steche die Pflanze großzügig mit dem Spaten aus, gut eine Handbreit außerhalb des Laubs. So erwischst du die meisten Wurzeln. Schüttle die Erde grob ab, dann siehst du, wo der Ballen natürliche Trennstellen hat.
Zerlege ihn mit den Händen, einem alten Brotmesser oder dem Spaten. Jedes Teilstück braucht Wurzeln und mindestens zwei bis drei Triebe. Kleiner geht auch, dauert aber ein Jahr länger, bis wieder etwas zu ernten ist. Die vergreiste Mitte des alten Horsts kannst du auf den Kompost geben, sie treibt nur noch zögerlich aus.
Setze die Stücke genau so tief wieder ein, wie sie vorher standen, drücke die Erde gut an und gieße kräftig an. Zu tief gesetzt fault der Trieb, zu hoch trocknet die Wurzel aus.
Die erste Woche entscheidet
Halte die frisch gesetzten Teilstücke zwei Wochen lang gleichmäßig feucht, auch wenn es kühl ist und es sich nicht danach anfühlt. Wurzeln ohne Bodenkontakt trocknen schneller aus, als man denkt. Eine dünne Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Laub hält die Feuchtigkeit und dämpft später den ersten Frost.
Dünger brauchst du jetzt keinen. Er würde weiches Wachstum anregen, das der erste Frost sofort wieder kassiert. Und ernte im ersten Herbst höchstens ein paar Blätter zum Probieren – die Pflanze steckt ihre Kraft gerade in die Wurzel, nicht ins Laub.
Wo die neuen Pflanzen hinkommen
Beim Schnittlauch lohnt der Blick auf die Nachbarn: Neben Karotten, Erdbeeren und Tomaten steht er gern, neben Erbsen und Bohnen bremst er sie aus. Ein geteilter Horst ist die perfekte Gelegenheit, die Schnittlauch-Reihe entlang der Karotten zu verlängern, statt alles an einer Stelle zu lassen.
Bei Pfefferminze und Beinwell gilt das Gegenteil von Großzügigkeit. Minze gehört in einen Topf oder hinter eine Wurzelsperre, sonst hast du in drei Jahren ein Minzbeet, wo einmal ein Kräuterbeet war. Beinwell treibt selbst aus kleinen Wurzelresten wieder aus – überleg dir den Platz also einmal gründlich, bevor du den Spaten ansetzt.
In Rootivo zeichnest du die neuen Teilstücke direkt ins Beet ein. Die Mischkultur-Linien zeigen dir dabei sofort grün oder rot an, ob der neue Nachbar passt.
Im Lexikon: Schnittlauch